Erfahrungen eines Software-Startups und ein Vier-Punkte-Plan, stressfreier Hardware zu produzieren.

Die liebe Zeit und das Geld

Was sind die entscheidenden Herausforderungen im Aufbau eines Startups?

Neben der Idee und der richtigen Zusammensetzung des Teams vorwiegend das Fehlen von Zeit und Geld (Ok, es gibt noch hundert andere Baustellen, aber vereinfachen wir mal).

Entscheidet man sich nun zur Integration von Hardware in seine Gründungsidee, ist einem wahrscheinlich häufig nicht bewusst, worauf man sich eingelassen hat.

Die Entwicklung von Hardware ist aufwändig, komplex und für devisenarme Gründer ziemlich kostspielig. Hat man nicht zufällig selbst alle notwendigen Maschinen im Keller und einen Abschluss in Maschinenbau, Elektrotechnik, Produktdesign und Materialwissenschaften (gleichzeitig natürlich), gerät man im Rahmen der Entwicklung schnell an Kompetenz- und Kapazitätsgrenzen.

Agilität? Hardware wehrt sich!

Zugegeben, ein Prototyp ist schnell erstellt. Die Lean Startup Methode, Design Thinking, SPRINT, Scrum und wie all die agilen Maßnahmen zur kostenarmen und effektiven Produktentwicklung auch heißen mögen, helfen dabei.

Geht es an den Proof-of-Concept (POC) ist allerdings schon ausreichend technische Expertise im Bereich Soft- und Hardware gefragt. Hier hilft es sehr, im Team Autodidakten zu haben, die sich gerne und intensiv mit neuen Sachverhalten auseinandersetzen.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist, die Angst vor dem ggf. unbekannten Feld Hardware abzulegen und bereit zu sein am Anfang auch grobe Fehler zu machen (und dann das gesamte Hardwarekonzept durch die neugewonnenen Erfahrungen komplett neu aufzurollen).

Nach dem POC geht es an die Serienfertigung: spätestens hier ist die Reise als Startup-Einzelkämpfer vorbei.

Einbindung unterschiedlicher Akteure – Chance zu Lernen

Hardware kann man nicht alleine produzieren, zumindest nicht in Serie. Sei es der innovative Wasserkocher, die 360°-Kamera, die man werfen kann oder das Bodytracking-Wearable fürs Handgelenk: für jedes dieser Produkte bedarf es eines Netzwerks an Produzenten und Entwicklern. Die Abhängigkeiten und die Einschränkungen in der Kontrolle von Prozessen (ja, man muss sich zu einem Teil auf andere Leute verlassen), können das Vorankommen der Serienproduktion kritisch gefährden.

Lessons learned – 4 Punkte um nachts besser zu schlafen (trotz Hardware)

Wie haben wir bei HygNova diese spannenden Herausforderungen gelöst:

  1. So viel fertig zertifizierte Technologie einbinden wie möglich
  • Klar, wir sind alle extrem kreativ. Man muss das Rad aber nicht immer neu erfinden. Vielfach hat irgendjemand irgendwo auf der Welt schon mal etwas Ähnliches gemacht wie wir. Die Suche nach bestehender Technik und das Prüfen, ob Sie für den eigenen Fall anwendbar ist, sollte immer der erste Schritt in der Konzeptionierung des Produkts sein. 3D-Druck ist eine kostengünstige Möglichkeit, schnell Ideen auch physisch zu evaluieren.
  1. Kompetenzen extern suchen
  • Gibt es die Platine, das Casing, die Sensoren, die Ihr braucht noch nicht? Sicher?! Dann solltet Ihr Leute fragen, die nichts anderes machen als Hardware-Prototyping. Meistens ist deren Expertise nicht billig (80 €+ die Stunde), dennoch haben diese Experten einen deutlich größeren Überblick über bestehende Produkte und Möglichkeiten. Vielleicht gibt es doch eine Option ohne die Entwicklung einer eigenen Platine Eure Hardware umzusetzen?!
  1. Kooperationen mit Unternehmen
  • Man kann nicht früh genug anfangen Unternehmenskooperationen einzugehen. Hardwarehersteller möchten produzieren und verkaufen. Je mehr, desto besser. Sprecht frühzeitig andere Unternehmen an, entwickelt wo Ihr für die Unternehmen einen Mehrwert bieten könnt und geht Partnerschaften ein. Es muss nicht immer gleich China sein. Die Möglichkeit schnell zu kommunizieren und Änderungen durchzuführen, kann viel wertvoller sein, als ein 10 Cent günstigerer Stückpreis für ein Produkt. Vorsicht vor Exklusivverträgen!
  1. Einbindung neuer Mitarbeiter – Verstärkung des Teams
  • Externe Kompetenzen sind extrem hilfreich, das größte Vorankommen bei Hardware hatten wir aber erst, als wir Mitarbeiter gewinnen konnten, die Ihr Fach gelernt haben. Insbesondere im Hinblick auf den Kontakt mit möglichen Investoren ist es ideal zu zeigen, dass man die Kompetenzen zur Betreuung der Hardwareproduktion intern abbilden kann. Auch wenn es heißt, gutes Personal ist schwer zu finden. Es gibt großartige, kompetente Teamplayer da draußen, die nur darauf warten sich an spannenden Projekten zu beteiligen.

Innovative Hardware zu entwickeln, erfordert ein besonderes Maß an Hingabe. Mit dem Hintergrund einer Gründung im eLearning/-Softwarebereich habe ich einen direkten Vergleich zu “reinen“ Software-Projekten. Dennoch sollte man nicht vor spannenden Hardwareideen zurückschrecken, da der Vertrieb von Hardware erstens langfristig sehr lukrativ sein kann und zweitens die Möglichkeit besteht, bei der Entwicklung eines physischen Produkts die eigenen Grenzen zu überwinden.

2018-10-21T19:23:11+00:00