Veränderung der Oberfläche von Medizinprodukten durch extern angebrachtes Equipment. Fallbeispiel aus dem Bereich Händehygiene-Monitoring.
Hygienische Vulnerabilitäten an Dispensern durch das Ankleben von ergänzender Sensorik?

Bundle-Strategien in der Hygiene haben einen nachhaltigen Mehrwert

Neue Technologien können die Hygiene im medizinischen Kontext insbesondere die Händedesinfektionsrate nachweislich erhöhen. Am Effektivsten sind hierbei sogenannte Bundle-Strategien, die über mehrere Ansätze sensibilisieren und u.a. über die Implementierung von Hygiene-Monitoring-Lösungen die Aufmerksamkeit für das essentielle Thema Hygiene erhöhen.[1] [2] Pittet et al. zeigen 2000 in einer im Lancet veröffentlichten Abhandlung, dass die Abnahme der nosokomialen Infektionen durch eine dezente Erhöhung der Händedesinfektionsrate zu erreichen ist.[3]

Patientenzimmer sind empfindliche Mikro-Ökosysteme

Bei der Verwendung neuer Technologien im medizinischen Kontext ist jedoch Vorsicht geboten. Veränderungen an der Oberfläche von Medizinprodukten, wie beispielsweise Desinfektionsmittelspender, können zu einer eingeschränkten Desinfizierbarkeit und einer Erhöhung der Keimbelastung führen.[4] [5] Kontaminierte Oberflächen haben wiederrum erwiesenermaßen einen relevanten Einfluss auf die Transmission von nosokomialen Infekten.[6] [7] [8]

Eignung der Oberfläche von Anklebe-Sensorik für die adäquate Oberflächendesinfektion
und Sicherheit von Klebern im medizinischen Umfeld

In letzter Zeit gibt es immer mehr neue Handhygiene-Monitoring-Lösungen, die das Ankleben von Sensorik an den Desinfektionsmittelspender erfordern. In Anbetracht der fundamentalen Einflüsse auf die Oberflächenveränderung der Medizinprodukte, stellen sich folgende Fragen:

  • Lassen sich die Oberflächen der Sensoren (Casings) angemessen desinfizieren? Wie verhalten sie sich bei einem langfristigen Einsatz? Zeigt sich eine Porosität des Materials?
  • Sind die verwendeten Kleber an der Oberfläche der Dispenser für den medizinischen Einsatz geeignet? Können relevante Strukturen des Dispensers autoklaviert werden? Sind Klebeflächen durch die Vergrößerung der Oberfläche prädestinierte Orte für Keimbesiedlungen?
  • Ist die Sensorik nach einiger Zeit ggf. selbst kontaminiert und trägt so zur Transmission von Keimen bei? Gibt es mikrobiologische Studien, die die Unbedenklichkeit der Manipulation der Dispenseroberflächen per Abklatsch-Test nachweisen?
  • Ist die Reinigung der Klebe-Sensorik selbst in die SOPs des Krankenhauses eingebaut?
    Wie wird sie dokumentiert? Wie ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis des gesteigerten Dokumentationsaufwands zu beurteilen?

Diese Fragen sollten in angemessenen Studien beantwortet und vor dem Einsatz auf Stationen und dem Kontakt mit Patienten/innen berücksichtigt werden.

Ausblick

Sollte man nach den obigen Ausführungen auf zusätzliche Hygiene-Monitoring-Technik in medizinischen Institutionen verzichten?

Müssen Krankenhäuser weiterhin auf den kostspieligen Goldstandard setzen, der die Observation des Personals durch Hygienefachkräfte meint?

Andere technologische Ansätze haben bereits etablierte Hygiene-Unternehmen wie die Firma OpHardt Hygiene: Diese hat mit ihrem Ingo man weco einen digitalen Spender entwickelt, der die Nutzungsdaten hygienisch korrekt in ein Dashboard schickt (OHMS).[9] Eine Oberflächenveränderung des Dispensers erfolgt nicht. Die Technik ist vollständig im Spender integriert. Relevante Bauteile der Spender sind autoklavierbar. Das System ist seit mehreren Jahren im Einsatz.

Leider ist die Technologie des Ingo man weco verhältnismäßig kostspielig und kann bei knappen Ressourcen im Gesundheitssektor häufig nicht im gesamten Krankenhaus zur Verfügung gestellt werden.

Hygiene-Monitoring-Technologie – ohne hygienische Vulnerabilitäten

 HygNova nimmt sich der beschriebenen Problematik auf mehreren Ebenen an:

Zunächst digitalisiert HygNova schon vorhandene Spender preiswert mit seiner innovativen IoT-Technologie.

Die Plug&Play-Lösung wird unsichtbar in die bestehenden Spender verbaut. Dies ermöglicht eine sofortige lückenlose Dokumentation der Verbrauchskennzahlen.

Eine Veränderung der Oberfläche liegt nicht vor. Personal und Patienten kommen mit der Sensorik nicht in Kontakt. Alle Teile des Dispensers bleiben autoklavierbar. Die Zertifizierung als Medizinprodukt ist nicht gefährdet.

HygNova bietet ein nachhaltiges und kosteneffektives Mietmodell an. So können die Investitionskosten für medizinische Einrichtungen gesenkt und die Lösung zum Schutz zahlreicher Patienten eingesetzt werden.

Zusammenfassend entstehen demnach weder neue, kritische Oberflächen am Spender noch hohe Kosten in der Anschaffung neuer Desinfektionsmittelspender. In wenigen Minuten werden ganze Stationen mit HygNovas Technologie hygienisch korrekt nachgerüstet.

Im unaufhaltbaren Digitalisierungsprozess medizinischer Institutionen sollten Entscheidungen über die Implementierung neuer Technologie immer in Berücksichtigung der Komplexität hygienischer Mikro-Ökosysteme erfolgen. Entscheider werden sich im Bereich Hygiene zukünftig auf verlässliche, kosteneffektive und leicht zu implementierende Lösungen mit validem Mehrwert verlassen.

Interessenskonflikt:

Dr. Ehsan Khaljani ist Gründer und Geschäftsführer der Firma HygNova, die mit HygNova ADVANCE eine Hygiene-Monitoring-Lösung anbietet.

[1] Infection. 2018 May. Antibiotic stewardship and horizontal infection control are more effective than screening, isolation and eradication. Lemmen, SW and Lewalter, K.

[2] J Infect Control. 2013 May. Best practices in disinfection of noncritical surfaces in the health care setting: creating a bundle for success. Havill, NL.

[3] Lancet. 2000 Oct. Effectiveness of a hospital-wide programme to improve compliance with hand hygiene. Infection Control Programme. Pittet et al..

[4] Clin Infect Dis. 2001 Oct. Biofilm formation: a clinically relevant microbiological process. Donlan, RM.

[5] Infect Dis Clin North Am. 2016 Sep. Optimizing Health Care Environmental Hygiene. Carling, PC.

[6] Am J Infect Control. 2013 May. Evidence that contaminated surfaces contribute to the transmission of hospital pathogens and an overview of strategies to address contaminated surfaces in hospital settings.

Otter, JA et al..

[7] GMS Hyg Infect Control. 2018 Jul. Cleaning and disinfection of surfaces in hospitals. Improvement in quality of structure, process and outcome in the hospitals in Frankfurt/Main, Germany, in 2016 compared to 2014.

Hausemann A et al..

[8] Am J Infect Control. 2013 May. Does improving surface cleaning and disinfection reduce health care-associated infections? Donskey, CJ.

[9]OPHardt hygiene; OHMS; https://www.ophardt.com/index.php/de/ohms-2, 13.09.2018, Uhrzeit 17:31

2018-10-31T09:34:57+00:00