Erhebung personenbezogener Daten in medizinischen Einrichtungen. Wie sind Wearables mit der neuen EU-Datenschutz-Grundverordnung in Einklang zu bringen?

Betrachtung der Vereinbarkeit anhand von Hygiene-Monitoring-Systemen.

Personenbezogene vs. nicht-personenbezogene Daten

Mit der Ablösung der Europäischen Datenschutzrichtlinie durch die EU-Datenschutz-Grundverordnung wird neben der Synchronisierung des europäischen Datenschutzrechts insbesondere die Speicherung und Bearbeitung personenbezogener Daten besser geschützt. Gleichzeitig ist die Übermittlung von personenbezogenen Daten durch die europaweite Vereinheitlichung leichter möglich.[1]

Eine Erhöhung der Transparenz bei der Verarbeitung personenbezogener Daten stellt aber Unternehmen und ihre verschiedenartigen, technischen Ansätze im Arbeitsalltag vor unterschiedliche Herausforderungen. Um das Grundrecht auf Schutz der personenbezogenen Daten aus Artikel 8 der Europäischen Grundrechtecharta[2] zu wahren, bedarf es in jedem Schritt der Datenverarbeitung einer spezifischen Einhaltung der regulatorischen Vorgaben.

Unterscheidung von tragbarer Sensorik für Patienten und Personal

Während Wearables beim Patienten nachweislich einen Mehrwert generieren[3], im Rahmen des “Remote Health Monitorings“ die Arbeit des überlasteten medizinischen Personals erleichtern und eine zusätzliche Datenbasis erzeugen, sind Wearable Devices beim medizinischen Personal kontrovers zu diskutieren.

Verlust der Anonymität bei Wearables durch Reverse Engineering

In letzter Zeit gibt es immer mehr Handhygiene-Monitoring-Ansätze, die das Tragen von Wearable Devices am Personal erfordern. Manche Anbieter werben dabei damit, dass das Personal persönlich identifizierbar ist. Hier ist es eindeutig, dass personenbezogene Daten erhoben werden, welche entsprechend der DSGVO einem besonderen Schutz unterliegen. Ohne Einwilligung aller betroffenen Personen kann ein Monitoring z.B. nicht erfolgen.

Andere Ansätze versuchen über eine zentrale Sammlung der tragbaren Sensoren in Ladestationen nach der persönlichen Nutzung eine Anonymisierung zu erreichen, wobei dennoch eine Unterscheidung von Berufsgruppen angestrebt wird (z.B. Unterscheidung von Pflege und ärztlichem Personal).

Stellt man sich nun den Realitäten im medizinischen Alltag, wird eindeutig, dass über Reverse Engineering und einen einfachen Vergleich mit dem Dienstplan eine Personalisierung der erhobenen Daten möglich ist. Erklären kann man dies an einem einfachen Fallbeispiel:

Es ist üblich, dass Personal im Krankenhaus 24 Stunden-Dienste verrichtet. Dabei ist z.B. in der Berufsgruppe “Ärzte/Ärztinnen“ über den gesamten Tag nur eine Person anwesend und tätig. Trägt das ärztliche Personal in solch einer 24 Stunden Schicht das Wearable, ist dies ist mit einer persönlichen Leistungskontrolle gleichzusetzen. Der Mitarbeiter kann eindeutig identifiziert und ggf. sanktioniert werden.

Einerseits ist dies in der Regel nicht betriebsratskonform und entspricht auch nicht den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation zu einem sanktionsfreien Monitoring der Händehygiene[4], andererseits ist eine Anonymität des Personals im Rahmen des Monitorings nach DSGVO nicht mehr gewährleistet.

Auch bei dieser Art des Einsatzes von Wearable Devices kommt es folglich mit geringem technischem und organisatorischem Aufwand zur Erhebung personenbezogener Daten, die wieder u.a. die Einverständniserklärung aller gemonitorten Mitarbeiter/Mitarbeiterinnen erfordert.

Diese Problematik ergibt sich, da die meisten Hygiene-Monitoring-Ansätze nicht vom Personal aus gedacht sind. Durch zunehmende Ressourcenknappheit, Rationalisierungen und Personalmangel belasten zusätzliche tragbare Sensoren das Personal. Sinnvoll sind vielmehr Lösungen, die die Arbeitsprozesse des Personals nicht stören, aber dennoch Informationen für die Optimierung von Prozessen liefern.

Ist eine lückenlose Datenerhebung im Bereich Hygiene auch ohne Wearables möglich?

Moderne Motion Detection-Technologie ermöglicht sogar eine präzisere Datenerhebung als das Tragen von Wearables.

Mit angemessener Sensorik kann das Patientenzimmer dreidimensional, aber dennoch vollständig anonym, abgebildet werden. Man sieht nicht nur, ob Desinfektionsmittelspender benutzt wurden, sondern auch, ob in den richtigen Momenten desinfiziert wurde.[5]

Über Heat Maps kann man visualisieren, wann ein Behandler eintritt, zu welchem Zeitpunkt er/sie desinfiziert, ob die Desinfektionszeit von 20-30 Sekunden eingehalten wird und wann in den Sicherheitsbereich des Patienten eingetreten wird.

Insbesondere kann identifiziert werden, ob die Zwischendesinfektion bei der Behandlung von zwei Patienten im selben Zimmer erfolgt. Hier beginnt effektive Vermeidung der Transmission von Krankenhauskeimen.

Implementierung im Plug&Play-Prinzip

HygNova bietet mit seinem ADVANCE®-System eine in Minutenschnelle zu implementierende Lösung, welche alle notwendigen, oben genannten Attribute erfüllt. Über eine deutlich genauere Datenbasis als bei anderen Ansätzen kann die Arbeit von Entscheidern unterstützt werden. Gleichzeitig wird Hygiene-Experten über das Dashboard spezifisches Weiterbildungsmaterial geboten, welches in der Nachschulung des Personals verwendet werden kann. HygNova kooperiert hierfür mit dem etablierten Hygiene-eLearning-Anbieter meduplus und bindet deren State-of-the-Art-Literatur ein.

HygNova ADVANCE® gewährleistet, dass keine personenbezogenen Daten erhoben werde und ist daher vollständig DSGVO- und betriebsratskonform.

Im unaufhaltbaren Digitalisierungsprozess medizinischer Institutionen sollten Entscheidungen über die Implementierung neuer Technologien die datenschutzrechtlich relevanten Anforderungen berücksichtigen. Neben dem Schutz der Patienten vor nosokomialen Infektionen ist der Schutz der persönlichen Daten der eigenen Mitarbeiter/innen eine ebenso wichtige Aufgabe.

Entscheider werden sich im Bereich Hygiene zukünftig auf verlässliche, kosteneffektive und leicht zu implementierende Lösungen mit validem Mehrwert verlassen.

Interessenskonflikt:

Dr. Ehsan Khaljani ist Gründer und Geschäftsführer der Firma HygNova, die mit HygNova ADVANCE eine Hygiene-Monitoring-Lösung anbietet.

[1] Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat, Datenschutz-Grundverordnung https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/faqs/DE/themen/it-digitalpolitik/datenschutz/datenschutzgrundvo-liste.html
25.09.2018, 15:04 Uhr

[2] Dejure.org, Charta der Grundrechte der Europäischen Union
https://dejure.org/gesetze/GRCh/8.html
25.09.2018, 15:11 Uhr

[3] Sensors (Basel). 2017 Jan; Wearable Sensors for Remote Health Monitoring.

Majumder S et al.

[4] WHO guidelines on hand hygiene in health care, http://www.who.int/infection-prevention/campaigns/clean-hands/5moments/en/, 18.11.2018, 11:44 Uhr

[5] My 5 Moments for Hand Hygiene, http://www.who.int/infection-prevention/campaigns/clean-hands/5moments/en/, 18.11.2018, 11:44 Uhr

2018-11-18T11:49:19+00:00