Weniger als 40% Compliance beim Tragen von Wearable Devices
in neuartigen Hygiene Monitoring Ansätzen:
Wie valide können Daten sein, die in dieser Weise erhoben werden?

Abbildung der Realität?

 Wir bei HygNova werden häufig gefragt, wie genau unsere Datenerfassung und die Approximation der observierten 5-WHO[1]-Momente der Händedesinfektion mit unserer
IoT-Motion Detection Sensorik ist.
Es handle sich bei HygNovas Technologie schließlich um sehr moderne Mustererkennungsalgorithmen und diffizile künstliche Intelligenz, die die Komplexität medizinischen Handelns detailgetreu abbilden müssen.

Wenn wir dann mit klinischen Daten aufzeigen können, dass wir im Vergleich zu Hygiene-Experten  bei der Compliance-Beobachtung zu vergleichbaren Aussagen kommen, wird sichtbar, dass künstliche Intelligenz eine der wichtigsten Säulen in der zukünftigen Medizin sein wird.

 Ein Ausflug in die einfache Statistik…

 Während meiner urologischen Karriere beforschten wir einen neuartigen Ansatz für die Erkennung von Prostatakarzinomen per Ultraschall-Untersuchung. Hier lag die Aussagekraft zur Erkennung von Karzinomen damals teilweise bei ca. 50%.[2]

Für Nicht-Statistiker: das entspricht in etwa einem Coin-Flip, also einem Münzwurf.
Anstatt die Ultraschall-Untersuchung durchzuführen, konnte man also auch einfach eine Münze werfen, um abzuschätzen, ob der Patient Krebs hat oder nicht. Klingt nicht sonderlich vertrauenserweckend, oder? Selbstverständlich hat diese Ultraschall-Untersuchung bei nicht ausreichender, teils widersprüchlicher, Datenlage keinen Einzug in die Routine-Diagnostik gefunden.

Auf dem Ulmer Symposium Krankenhausinfektionen 2019 wurden nun von unterschiedlichen Kollegen/innen klinische Daten präsentiert, die zeigten, dass die Compliance für das Tragen von Wearables[3] bei Hygiene Monitoring Ansätzen unter 40% lag. Bei Ärztinnen und Ärzten sogar unter 30%. Kann man Daten trauen, die mit so niedriger Compliance der Nutzer erhoben werden? Entscheiden Sie selbst: Kopf oder Zahl?

Bias in der Bias

 Mit Wearables selektiert man direkt den motiviertesten Teil des Personals. Solche Kolleginnen und Kollegen, die sowieso in Ihrem Alltag den größten Wert auf hygienisches Handeln legen. Es kann sein, dass diese sich durch eine persönliche Überwachung mit einem Wearable noch stärker motiviert fühlen oder fälschlicherweise auch dann desinfizieren, wenn es gar nicht notwendig wäre. Leider erhält man so aber keine Echt-Daten, sondern schaut sich nur mit der Lupe die Performance seiner vorbildlichsten Mitarbeiter/innen an.

Ein Vorteil des Ganzen: bei dieser Datengenauigkeit muss man sich um die Themen DSGVO, Betriebsrat und personenbezogene Daten eigentlich keine Sorgen machen. Anderseits: wenn die Compliance beim Tragen der Sensorik derart gering ist, werden die wenigen, die regelmäßig ein Wearable verwenden, prinzipiell persönlich kontrolliert. Das gilt für ärztliche Mitarbeiter/innen dann noch mehr als für Pflegekräfte. Zur informierten Entscheidungsfindung würde ich demnach auf Basis der veröffentlichten Daten Wearable-basierte Hygiene-Monitoring-Lösungen derzeit in der Routine nicht empfehlen.

Wir schließen mit komplexer Algorithmik

Wir bei HygNova verstehen die Komplexität des medizinischen Handelns, weil wir selbst an vorderster Front nosokomiale Infektionen therapiert haben. Gerade unsere Mustererkennung und der Einsatz von künstlicher Intelligenz ermöglichen es, die vielfältigen Tätigkeiten von medizinischem Personal adäquat abzubilden. Dabei ist das wichtigste, dass unsere Lösungen selbst lernen kann und somit bei zunehmender Datenflut immer präziser detektiert.

Wandel – nicht um jeden Preis, aber bitte schneller

Alle derzeit verfügbaren Hygiene Monitoring Systeme haben Vor- und Nachteile.
Krankenhäuser, Pflegeheime und andere Gesundheitseinrichtungen entscheiden auf Basis der vorhandenen Eigenschaften selbst, welche Lösung den meisten Mehrwert für sie bietet.

Für folgende Mantra sollten dabei alle Systeme einstehen:

  • Automatisierung vor weiterer Dokumentations-Belastung des Personals!
  • Digitalisierung von Prozessen vor “Wir haben es schon immer so gemacht.“!

Wir denken, dass wir mit unserer vom Anwender aus gedachten und kosteneffektiven Lösung für unsere klinischen Partner eine echte Unterstützung bieten. Sei es für die direkte Verbesserung des hygienischen Verhaltens des Personals (Hawthorne-Effekt), die effektive Prozessoptimierung der Behandlungspfade auf Basis von reproduzierbaren Daten oder durch die nachhaltige Erhöhung der Patientensicherheit durch gelebte Transparenz.

Interessenskonflikt:

Dr. Ehsan Khaljani ist Gründer und Geschäftsführer der Firma HygNova, die mit HygNova ADVANCE eine Hygiene Monitoring Lösung anbietet.
Dieser Blog-Post gibt allerdings seine persönliche, wissenschaftlich fundierte Meinung wieder.

[1] WHO ist eine Abkürzung für die Weltgesundheitsorganisation

[2] E Khaljani, „Zum Stellenwert des HistoScanningTM bei der Detektion des Prostatakarzinoms: Statistische Subgruppen-Analyse nach Korrelation mit histo-pathologischen Präparaten nach radikaler Prostatektomie“, 56. Jahrestagung Südwestdeutsche Gesellschaft für Urologie e.V. | Friedrichshafen 2015 & 9. Nordkongress Urologie | Hannover 2015

[3] Sensorik, welche vom Personal permanent getragen werden muss und dem Zwecke der Datenerhebung dient.

2019-04-04T15:46:42+00:00