Artikel im Magazin der Gesundheitsnetzwerker

HygNova, Shortlist-Kandidat von 2018, ermöglicht smartes Hygienemanagement – Interview mit Brigitte Reidinger

Das Ziel von HygNova ist aktuell wie nie: Ein smartes Hygiene-Monitoring soll die Übertragung von Keimen weitgehend vermeiden. Vor Gründung der HygNova GmbH im Jahr 2017 hat Dr. Ehran Khaljani – Facharzt, urologischer Chirurg und Serial Entrepreneur  – die Wissens- und Lernplattform für medizinisches Wissen AMBOSS mitgegründet. Im Interview berichtet er von den Möglichkeiten, die HygNova in einem epidemischen Geschehen bieten könnte.

Herr Dr. Khaljani, nie zuvor wurde öffentlich so viel über Hände-Hygiene gesprochen wie jetzt angesichts der Coronavirus-Pandemie. In Krankenhäusern ist das Thema schon immer dringlich – bekommt es jetzt einen wichtigen Wahrnehmungsschub?

Nosokomiale Infektionen, also die Übertragung von Keimen durch Healthcare Professionals, sind auch in der akuten, pandemischen Situation ein drängendes Problem. Zwar sind in der Fachliteratur die Verbreitungswege noch nicht vollständig geklärt, doch geht man mit dem jetzigen Kenntnisstand davon aus, dass insbesondere bei den Todesfällen in China und Italien nosokomiale Infektionen eine wichtige Rolle gespielt haben. Das Risiko innerhalb einer Gesundheitseinrichtung mit dem Virus in Kontakt zu kommen ist natürlich höher als auf freier Fläche. Und hier befindet sich zudem noch die gefährdetste Gruppe an Menschen: ältere Patientinnen und Patienten mit relevanten Vorerkrankungen.

Inwieweit wäre die HygNova-Technologie bei der aktuellen Corona-Epidemie denn hilfreich?

HygNovas Technologie wirkt nosokomialen Infektionen entgegen: Mit niedrigstem personellem Aufwand werden Hygienekennzahlen kontrolliert und Arbeitsabläufe optimiert. Eine Infrarot-basierte Sensorik erfasst dazu Räume und die Menschen darin. Zusätzliche Anwendungen helfen mit nachgeschalteter KI beim frühzeitigen Ausbruchs-Management, etwa durch die kontaktlose Temperaturerhebung oder die automatische Messung von Händedesinfektionen. Erkennt unser Algorithmus beispielsweise, dass die Desinfektionszahlen plötzlich ansteigen, könnten Alerts an Entscheider oder auch Gesundheitsämter geschickt werden. Im Hinblick auf #flattenthecurve gewinnt man so kritische Zeit.

Das anonyme Tracking von Bewegungen, Körpertemperatur und Händedesinfektionsmaßnahmen wäre zudem ideal für personalfreie Quarantäne-Schleusen geeignet. Erinnern Sie sich an die Bilder der Schleusen in Wuhan, in denen weiß gekleidete Menschen an der Stirn die Temperatur der Bevölkerung messen. HygNova kann dies ohne den Einsatz von Personal und erst Zugänge freigeben, wenn die Temperatur stimmt und Desinfektionen erfolgt sind. So kann rares Personal in solchen Pandemie-Situationen sinnvoller eingesetzt werden. Unsere Technologie wäre allerdings in so komplexen Dynamiken nur ein minimaler Teil im gesamten Pandemie-Management. Ein Allheilmittel gibt es leider nicht.

Erleben Sie im Moment mehr Interesse für Ihr Produkt?

Wir haben schon in den letzten Jahren während der Influenza-Welle festgestellt, dass Entscheidungen kurzsichtig getroffen werden – so auch jetzt. In der Akutsituation muss man sich um das Ausbruchsmanagement kümmern und hat kein Ohr für strukturelle Veränderungen. Nach dem Ausbruch verfallen dann alle Beteiligten wieder in stoische Ruhe. Ich wüsste nicht, warum es diesmal anders sein sollte: Post-Corona werden wieder Mittel zur Rettung von Unternehmen außerhalb der Gesundheitswirtschaft benötigt; der Fokus und insbesondere Geldmittel werden dann wieder anders allokiert. Gerne lasse ich mich hier von der Politik vom Gegenteil überzeugen. Wenn die Corona-Krise dazu beiträgt, dass wir als Gesellschaft jetzt mehr auf den Schutz unserer Risikogruppen fokussieren, können wir den notwendigen technologischen Wandel hoffentlich früher gemeinsam erreichen.